Weg von der Einweg- hin zur Mehrwegkultur!

Pressemitteilung vom Verband kommunaler Unternehmen (VKU) vom 24.10.2018

VKU unterstützt EU-Entscheidung zur Plastikrichtlinie 

Berlin, 24.10.2018. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) begrüßt den Beschluss des Europäischen Parlaments zur Plastikrichtlinie. Das Parlament stimmte heute in Straßburg dafür, EU-weit Plastik zu reduzieren, um Umwelt und insbesondere Meere zu schützen. Der VKU begrüßt die Initiative mit Nachdruck und fordert weitergehende Maßnahmen, speziell gegen Mikroplastik.

Dazu der VKU-Vizepräsident der Abfallsparte Patrick Hasenkamp: „Unser Plastikkonsum ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Überall quellen Mülleimer mit Einweggeschirr über. Das ist ökologischer Irrsinn! Wir müssen weg von der Einweg- hin zur Mehrwegkultur.“ Sensibilisierungsmaßnahmen wie etwa die Woche der Abfallvermeidung, die dieses Jahr wieder im November stattfindet, seien sehr wichtig, reichten aber nicht, so Hasenkamp: „Unsere Mitglieder beobachten, dass mit dem Food-to-go-Trend zunehmend mehr Einwegverpackungen in Umlauf geraten und dann auf Straßen Parks, Flüssen und schließlich in den Meeren landen.“

Hasenkamp weiter: „Entsorgen müssen den Müll die kommunalen Betriebe. Das kostet Geld, das alle Bürger über die Straßenreinigungsgebühren zahlen. Ob Zigarettenstummel, Coffee-to-go-Becher oder die Verpackungen der Systemgastronomie: Es ist nur folgerichtig, dass sich diejenigen, die den Müll in Verkehr bringen, auch an der Entsorgung oder Straßenreinigung beteiligen müssen. Eine finanzielle Beteiligung würde endlich und hoffentlich finanzielle Anreize – lassen Sie es mich gern auch direkt „Druck“ bezeichnen – für die Inverkehrbringer bedeuten, umzudenken und ihren Anteil dazu beizutragen, Verpackungsmüll und Einwegkunststoffprodukte merklich zu reduzieren.“

Der VKU unterstützt auch, dass das so genannte „oxo-abbaubare Plastik“ verboten werden soll. Hasenkamp: „Viele Hersteller preisen ihre Produkte als leicht abbaubares ‚Bioplastik‘ an. Die Verbraucher glauben dann, dass genau dieses Plastik ähnlich biologisch abbaubar ist wie eine Bananenschale. Das ist aber nicht der Fall. Die Folgen davon: Alle möglichen Arten von Plastik landen im Biomüll. Das bereitet den Anlagenbetreibern große Probleme – und gefährdet letztlich den ökologischen Nutzen der Biosammlung.“ Außerdem können auch diese Stoffe zu Mikroplastik werden, die in unseren Gewässern landen.

Ebenso den Vorschlag, dass die Mitgliedsstaaten die Einführung von Pfandsystemen von Flaschen prüfen sollen, begrüßt der VKU: „Pfandsysteme für Flaschen sind hervorragende Mittel, um die Plastikflut einzudämmen. In Deutschland haben wir zwar seit vielen Jahren ein solches System. Das wird aber mehr und mehr ausgehöhlt und unübersichtlicher: Einige Flaschen sind im Mehrwegsystem, einige sind Einwegflaschen. Manche haben ein Pfand, manche keins. Wer soll da noch durchblicken? Hier muss die Bundesregierung nachsteuern. Es gilt: Mehrweg ist besser als Einweg. Glas ist besser als Plastik.“

Auch Mikro(-plastik) kann große Probleme verursachen

Außerdem unterstützt der VKU, dass das Europäische Parlament die EU-Kommission auffordert, eine eigene Strategie für Mikroplastik aufzusetzen. Dazu der VKU-Vizepräsident der Wassersparte Karsten Specht: „Tag für Tag gelangen überall auf der Welt winzige Plastikteile über den Abfluss in die Gewässer und die Umwelt. Dieses sogenannte Mikroplastik ist in Kosmetik, Wasch- und Putzmittel enthalten und kann in Kläranlagen nicht vollständig herausgefiltert werden. Einer der Haupteintragungspfade von Mikroplastik ist mit Abstand Reifenabrieb. Das belastet den weiteren Wasserkreislauf. Um Mikroplastik zu reduzieren, muss bereits bei den Produktherstellern, den Verursachern, angesetzt werden. Ziel muss sein, Mikroplastik zu vermeiden, egal ob es sich um Mikropartikel oder flüssigen Kunststoff handelt.“

So könnte beispielsweise das bestehende EU-Reifenlabel neben Angaben zu Kraftstoffverbrauch, Bremsweg auf nasser Straße und Rollgeräusch auch Informationen über Haltbarkeit und Abrieb eines Reifens umfassen. Für Waschmaschinen könnten technische Lösungen wie Filtersysteme vorgeschrieben werden, damit Mikrofasern aus der Wäsche erst gar nicht in das Abwasser gelangen. Auch Mikroplastik in Kosmetik sollte verboten werden.

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